Nach Personen benannte Straßen

Straßennamen dienen der Unterscheidung und damit der Orientierung sowohl der Ortsansässigen als auch der Besucher. Straßen werden sinnvollerweise nicht nach lebenden Personen benannt. Begeben wir uns also auf Pfade, die in nähere und auch fernere Jahrhunderte führen. Die Beschäftigung mit der Historie ist kein Selbstzweck. Sie dient vielmehr dem besseren Verständnis der eigenen zeitgeschichtlichen Situation durch die geistige Auseinandersetzung mit dem Traditionsstrom und gibt Einblick in die Geschichte unserer Stadt.

Das Straßenverzeichnis des aktuellen Faltplans weist für Kelkheim Stadtmitte und die Stadtteile Hornau, Münster, Fischbach, Eppenhain und Ruppertshain insgesamt 296 Straßennamen aus.

Straßennamen, die mit Kelkheimer Persönlichkeiten oder mit Menschen, die einen mehr oder weniger direkten Bezug zu unserer Stadt hatten, verbunden sind.

Es ist beeindruckend, wieviel Historisches und Interessantes sich von den Buchstaben A wie Adolfshöhe bis W wie Wilhelm-Dichmann-Straße entdecken lässt.

Adolfshöhe

Im Jahre 1906 erhielten Hornauer Bürgerinnen und Bürger die Genehmigung, zu Ehren des im Jahr zuvor verstorbenen Herzogs von Nassau und späteren Großherzogs von Luxemburg, Adolph, eine Eiche zu pflanzen und einen Gedenkstein anzubringen. Adolph, geboren 1817 auf Schloss Biebrich, gestorben 1905  auf Schloss Hohenburg in Bayern, war der Sohn des Herzogs Wilhelm I. von Nassau (1792−1839) und Prinzessin Luise von Sachsen-Hildburghausen (1794−1825). Von 1839 bis 1866 hatte er die Herrschaft über das Herzogtum Nassau inne. Als er aus diesem Amt schied, erhielt er gemäß Staatsvertrag von 1867 eine Abfindung und vier Schlösser, darunter das Schloss Königstein, das heutige Amtsgericht. Zum Schloss Königstein gehörte das im Jahr zuvor von der Herzoglich-Nassauischen Finanz- und Domänenverwaltung erworbene Gagernsche Hofgut in Hornau. Im Hofhaus, das nicht mehr besteht,  wohnten damals sein Adjutant Graf Castell  und der Stallmeister Wilhelm Freiherr von Breidbach-Bürresheim. Herzog Adolph war also mit Hornau verbunden, bis er 1890 Großherzog von Luxemburg wurde. In seinem Todesjahr 1905 war der 88-Jährige der älteste regierende Monarch in Europa.

Die „Adolphseiche“ und der Gedenkstein für Adolph sind längst verschwunden. Der Name Adolfshöhe für die Straße, die parallel zum Amselweg verläuft, lenkt indessen den Blick auf den damaligen Aussichtspunkt oberhalb Hornaus.

Andreas-Faust-Straße

Im Jahr 1977 erhält die Wiesenstraße in Fischbach im Zuge der Eingemeindung den neuen Namen Andreas-Faust-Straße. Damit wird eine Persönlichkeit geehrt, die für den Stadtteil in mehrfacher Hinsicht bedeutsam war. Der 1868 in Hofheim geborene und 1952 in Fischbach verstorbene Andreas Georg Faust unterrichtete von 1888 bis 1932 an der Volksschule – zunächst als Schulamtskandidat und bereits im zweiten Jahr als Lehrer. Die Schule lag neben der Kirche. Andreas Georg Faust war nicht nur ein vorbildhafter Pädagoge, sondern auch ein im außerschulischen Bereich vielfach engagierter Bürger. In der katholischen Gemeinde versah er den Organistendienst, war Dirigent des Gesangvereins „Eintracht 1874“ und 1929 Gründer des katholischen Kirchenchors. Zudem setzte er sich für die Erwachsenenbildung ein, indem er zusätzlich in der Abendschule Unterricht gab und als Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins tätig war. (1) Bei einer Versammlung der Schülervertretung der Eichendorffschule im Jahre 2012 plädierten, nebenbei gesagt, 50 Prozent der Teilnehmer dafür, der Gesamtschule Fischbach den Namen Andreas-Faust-Schule zu geben. (2)

Charlottenweg

Seit 1992 trägt der Charlottenweg, die Straße zwischen Gagernring und Josef-Becker-Halle, diesen Namen. Er erinnert an Caroline Freiin von Gaugreben, deren Rufname Charlotte war. Sie wurde 1776 in Düsseldorf geboren und starb 1851 in Hornau. Ihr Ehemann war Hans Christoph Freiherr von Gagern. Von den zehn Kindern, die aus dieser Ehe hervorgingen, waren die Söhne Friedrich, Heinrich und Maximilian für die politische Geschichte Deutschlands bedeutsam. Die zwölf Findlingssteine  gegenüber der Neuen Hornauer Martinskirche dienen der Erinnerung an die Familie. Das Hornauer Hofgut war von 1818 bis 1866 der Wohnsitz der Gagern. Übriggeblieben ist lediglich das ehemalige Gesindehaus, das seit 1954 zur katholischen Pfarrgemeinde St. Martin gehört. Das denkmalgeschützte Grab der Eheleute Hans Christoph und Charlotte befindet sich auf dem Hornauer Bergfriedhof. Sowohl die dortige Inschrift als auch die Biografie Heinrichs über seinen Bruder Friedrich haben Charlotte ein ehrendes und berührendes Denkmal gesetzt. (3)

Eugen Egenolf

Sanitätsrat Dr. med. Egenolf (1861 bis 1944) war ein hochgeschätzter Arzt, der ab 1892 die Bürgerinnen und Bürger von Kelkheim bis Schloßborn medizinisch betreute. 1903 ließ er das erste Haus in der Gundelhardtstraße in Kelkheim Stadtmitte errichten, die „Villa Cäcilie“. Das Haus, heute Gundelhardtstraße Nr. 20, gehört zu den in der Denkmaltopographie ausgewiesenen Kulturdenkmälern unserer Stadt. Der Volksmund prägte für den steil ansteigenden Abschnitt der Gundelhardtstraße die Bezeichnung „Dokterberg“. Auch dies zeigt, wie fest Eugen Egenolf im Bewusstsein der Menschen verwurzelt war. Geht man die Gundelhardstraße aufwärts, trifft man als dritte Abzweigung rechter Hand nach dem Gimbacher Weg und der Philipp-Kremer-Straße auf die Dr.-Egenolf-Straße.

Gagernring

Der Gagernring verbindet Stadtmitte und Hornau. Eine ganze Reihe von Bezeichnungen weist in Kelkheim auf die Adelsfamilie von Gagern hin: Gagernhaus, Gagernanlage, Gagernhöhle, Gagernweg, Max-von-Gagern-Schule, Heinrich-von-Gagern-Plakette in Gold und Silber. Sowohl der Vater der zwölfköpfigen Familie, Hans Christoph (1766−1852), der aus dem bis ins 13. Jahrhundert zurückreichenden rügenschen Adelsgeschlecht von Gagern stammte, als auch die drei Söhne Friedrich, Heinrich und Maximilian waren politisch engagierte Bürger. Hans Christoph Freiherr von Gagern übte als Staatsmann verschiedene Funktionen aus und wirkte auch als politischer Schriftsteller.

Ludwig-Schäfer-Weg

1952 baute Ludwig Schäfer in Ruppertshain ein Wochenendhaus. Es war damals das 3. Haus in der Straße Im Herlenstück, das heute mit der Nr. 13 gekennzeichnet ist. Weil der finanzschwache Ort Ruppertshain den Straßenausbau nicht allein tragen konnte, übernahm der Versicherungsvertreter Ludwig Schäfer einen beträchtlichen Teil der Kosten. Die Gemeinde bewahrt ihm ein ehrendes Andenken durch die Namengebung Ludwig-Schäfer-Weg. Dieser verläuft zwischen den Straßen Herlenstückshaag und Im Herlenstück. Ludwig Schäfer wurde 1898 geboren. Als er 1962 starb, war Ruppertshain noch selbständig. Erst 1971 fusionierte die Gemeinde mit Eppenhain. Beide Orte bildeten die Gemeinde Rossert, bevor diese dann 1977 durch die Hessische Gebietsreform zusammen mit Fischbach nach Kelkheim eingemeindet wurde. Seit dieser Zeit besteht Kelkheim, dem schon 1938, dem Jahr der Erhebung zur Stadt,  Münster und Hornau eingegliedert wurden, aus sechs Stadtteilen.

Marion-Hunten-Weg

Pekuniäre Gesichtspunkte spielten nicht nur in Ruppertshain eine Rolle bei der Festsetzung von Straßennamen, sondern auch im zweiten sogenannten Bergdorf Kelkheims: in Eppenhain. Dort führte eine Spende von 500 Deutsche Mark Mitte der 1950er Jahre zur Straßenbezeichnung Marion-Hunten-Weg. Wer war Marion Hunten? Martha Augusta Kapplusch, so der bürgerliche Name der im Jahre 1900 geborenen Frau, war Opernsängerin an der Frankfurter Oper. Sie stammte aus Düsseldorf.  Ihr Künstlername  war Marion Hunten. Ihren Beruf als Altistin übte sie von 1936 bis 1950 aus. Die Sängerin mit Altstimme starb 1965 im Alter von 65 Jahren. Sie wurde auf dem Eppenhainer Friedhof bestattet, wo sich auch das Grab ihres Mannes befindet.

Ofterdingenstraße

1977 erhielt die Gartenstraße in Hornau den Namen Ofterdingenstraße. Der neue Name verweist – zusammen mit dem 1974 von der Stuttgarter Bildhauerin Angelika Wetzel gestalteten Ofterdingen-Brunnen vor dem Kelkheimer Rathaus − auf den Minnesänger  Heinrich von Ofterdingen. Der mittelalterliche Minnesang ist die gesungene Liebeslyrik im 12./13. Jahrhundert. Der Legende nach soll Heinrich von Ofterdingen nach seiner Niederlage im angeblichen Sängerkrieg auf der Wartburg in der Grotte am Liederbach oberhalb Hornaus gelebt haben – sie wird Gagern-, Fuchs- oder Ofterdingenhöhle genannt.

Einen Zusammenhang zwischen dem Bach und Heinrich von Ofterdingen konstruierte der Heimatdichter und Hanauer Pfarrer C. Calaminus in dem 1845 veröffentlichten Gedicht Der Liederbach. Dem Text zufolge verbanden sich die Wasser mit den Liedern zur Harfe. (4)

Philipp-Kremer-Straße

Die Philipp-Kremer-Straße bewahrt das Andenken an den ersten hauptamtlichen Bürgermeister, Friedrich Philipp Kremer. Bevor er 1903 die Leitung der Kelkheimer Gemeindeverwaltung übernahm, war er in der Rüdesheimer Stadtverwaltung tätig. Dort, in Rüdesheim, wurde er 1878 geboren. An der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert war die Einwohnerzahl Kelkheims gewachsen – im Jahr 1900 zählte der Ort 1.247 Einwohner. Das brachte es mit sich, dass das Bürgermeisteramt nicht mehr ehrenamtlich geführt werden konnte. In der Amtszeit Friedrich Philipp Kremers, die bis 1922 währte, erfolgten wichtige Entwicklungsschritte der Gemeinde: 1903 die neue Schule, zwei Jahre später elektrisches Licht, 1908 Kanalisation, 1910 Wasserleitung und Gemeindebibliothek. In den Jahren 1908 bis 1911wurde eine Obstbaumanlage angelegt, die den Namen „Busch“ trug und zum Vorbild für die Nachbarorte wurde. Bemerkenswert für den damaligen Aufschwung Kelkheims ist auch, dass in nur einem Jahr, von Oktober 1909 bis Oktober 1910, die stattliche Zahl von 45 Baugesuchen bearbeitet wurde. Friedrich Philipp Kremer wohnte in der Gundelhardtstraße Nr. 21, wo er im vorletzten Kriegsjahr, 1944, starb.

Roteldisweg

Der Roteldisweg zweigt als Stichstraße von der Straße Am Wolfsgraben ab. Wie der Roteldisstein, der in der Seitenkapelle der katholischen Kirche Hl. Dreifaltigkeit in Fischbach eingemauerte Grabstein, verweist der Roteldisweg auf eine Frau, die als erste namentlich bekannte Christin Kelkheims gilt: Roteldis. Ihr gilt die lateinische Grabinschrift, die übersetzt etwa lautet: „In diesem Grab ruht die dem Rodobertus im besten Andenken stehende Roteldis, welche lebte in Frieden 25 Jahre.“ Der Roteldisstein stammt von der ehemaligen Begräbnisstätte der früheren Wallfahrtskapelle zu Gimbach. Der Fischbacher Pfarrer Josef Bonn fand den Stein 1868. Experten kamen zu dem Schluss, dass es sich bei Rodobertus nicht um den Ehemann, sondern um den Vater handelt und dass die Inschrift aus dem 7. Jahrhundert stammt. Die zeitliche Einordnung ist insofern interessant, als daraus hervorgeht, dass schon vor der Missionstätigkeit durch den seit dem 16. Jahrhundert als Apostel der Deutschen verehrten Bonifatius an dieser Stelle ein christlicher Kirchhof bestand. (5)

Rotlintallee

Die Rotlintallee in Hornau hieß vor 1938 Schulstraße. Früher nannten die Hornauer sie auch Chaiseweg oder Quetscheallee; denn an den Rändern standen im 19. Jahrhundert zahlreiche Zwetschenbäume, und die Chaisen, die Kutschen, fuhren auf diesem Weg zum Hornauer Hofgut. Der heutige Name Rotlintallee führt in das 9. Jahrhundert, genauer: in das Jahr 874. Aus dieser Zeit besitzen wir eine Urkunde, deren Original im Bayerischen Hauptstaatsarchiv in München aufbewahrt wird. Dieses Dokument ist die älteste Hornauer Urkunde. Darin bestätigt König Ludwig der Deutsche (geboren um 805, gestorben 876) eine Schenkung Rotlints an die königliche Pfalzkapelle, den Vorgängerbau des heutigen Kaiserdoms in Frankfurt am Main. Auch in der Mainmetropole gibt es im Stadtteil Nordend-Ost eine Rotlintstraße Die Stifterin schenkte der Kapelle 874 sowohl Ländereien und Abgaben als auch Leibeigene. Die Urkunde nennt die Namen der Unfreien: Reginbald, Seginhilt, Wicbald und Ottrud. Diese sind die ersten uns namentlich bekannten Hornauer Einwohner und Einwohnerinnen. (6) Die Rotlintallee verläuft zwischen den Abschnitten der Hornauer Straße am Kino Kelkheim und der Alten und Neuen Martinskirche.

Schwester-Esdras-Weg

Seit 2017 gibt es den Schwester-Esdras-Weg im Ruppertshainer Wohngebiet In den Erlen. Die kurze Straße beginnt am Gärtnerweg und mündet in die neue Straße Am Sonnenhang ein. Die spätere Franziskanerin wurde 1901 als Klara Bronner im Baden-Württembergischen Mahlstetten geboren. Als 27-Jährige trat sie in den Orden der Franziskanerinnen ein. Die beiden Stadtteile Ruppertshain und Eppenhain verdanken Schwester Esdras viel: Von 1949 bis 1982 wirkte sie als Gemeindeschwester in der Kranken- und Altenpflege. Es wird erzählt, dass sie in den ersten Jahren ihrer Tätigkeit, in denen die ärztliche Versorgung noch unvollständig war, oftmals den Arzt ersetzt habe. Dr. Thomas Zellhofer aus Ruppertshain schreibt über die Moped fahrende Schwester: „Dieses Gefährt liebte sie am meisten, und die älteren Bürger können sich an das Bild der im Wind flatternden Kutte erinnern.“ (7) Auch für die Errichtung des Kindergartens Sancta Maria in Ruppertshain setzte sich Schwester Esdras, gemeinsam mit Pfarrer Franz Kissel, tatkräftig ein. Für ihr langjähriges soziales Engagement erhielt sie 1975, an ihrem 74. Geburtstag, die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland und 1981 die Heinrich-von-Gagern-Plakette in Silber.

Theresenstraße

Die Theresenstraße in Hornau ruft Therese Freiin von Breidbach-Bürresheim ins Gedächtnis, die 1851 geboren wurde. Die Adlige wohnte im Herrenhaus des Hornauer Hofguts, das Maximilian Freiherr von Gagern  1866 an den Herzoglich Nassauischen Domänenfiskus verkaufte. Herzog Adolph überließ es Thereses Vater, Wilhelm Freiherr von Breidbach-Bürresheim. Der Kammerherr und Hofstallmeister, der mit Herzog Adolph nach Luxemburg gegangen war, nutzte es als Sommersitz. Therese, die junge Frau, zeichnete sich als Wohltäterin aus. Sie kümmerte sich in Hornau um Bedürftige, leistete kranken Menschen Beistand und schenkte Kindern Backwaren und Kleidungsstücke. 1883 starb sie in Frankfurt am Main. Ihr Grab befand sich zunächst im Frankfurter Stadtteil Heddernheim, wo die Familie ein Gut samt Friedhof besaß. Hubert Anton Freiherr von Breidbach-Bürresheim verkaufte den Besitz 1908 an die Stadt Frankfurt. Die Gräber von Therese und fünf weiteren Familienangehörigen wurden auf den Hornauer Bergfriedhof überführt. Diese sechs Grabstätten mit ihren weißen Marmorkreuzen befinden sich neben den gemeinsamen Grabfeldern der miteinander verschwägerten Familien von Gagern und von Breidbach-Bürresheim.

Von-Reinach-Straße

1842 wird in Frankfurt am Main Albert von Reinach geboren. An ihn erinnern in Fischbach die Von-Reinach-Straße und die Albert-von-Reinach-Schule. Albert von Reinach studierte zunächst Geologie und Bergwesen, trat dann allerdings 1861 in das väterliche Bankhaus ein, wurde Teilhaber und leitete ab 1877 die Geschäfte. Wegen eines Nervenleidens verkaufte er 1886 die Bank. In den folgenden Jahren führte er geologische Forschungen durch, auch im Taunus. Noch in seiner Zeit als Bankier ließ er sich 1880 auf dem Staufen eine Villa als Sommerhaus bauen. Sie wurde später zu einem beliebten Ausflugslokal und 1966 zu einem Wanderheim des Taunusklubs. 1987 wurde das Haus Staufen abgerissen. (8) Als Wohltäter unterstützte Albert von Reinach die nach ihm benannte Fischbacher Schule. Auch war ihm die Wassergewinnung im Taunus ein Anliegen. Er unternahm zahlreiche Forschungsreisen, veröffentlichte wissenschaftliche Arbeiten und unterstützte durch Stiftungen und Schenkungen das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main. Im Jahr vor seinem Tod 1905 verlieh ihm die Universität Marburg die Würde eines Ehrendoktors. Das Saalburgmuseum besitzt seine Sammlung prähistorischer Steinwaffen aus der Taunuslandschaft.

Wilhelm-Dichmann-Straße

Die Wilhelm-Dichmann-Straße Straße verläuft in Kelkheim-Mitte parallel zum Liederbach und mündet in die Frankenallee ein. Mit der Straßenbezeichnung ehrt die Stadt den 1840 in Hofheim geborenen Bäcker-Sohn Wilhelm Dichmann. Er erlernte das Drechslerhandwerk. Nach seiner Heirat machte er sich 1872 selbständig. In der von ihm erworbenen kleinen Mühle am damaligen Liederbachweg führte er Drechslerarbeiten durch und stellte Bürstenhölzer her. Aus der Möbelschreinerei wurde 1890 eine Möbelfabrik, die sich auf Furniere spezialisierte. Ab 1911 beginnt die Gebrüder Dichmann AG mit der Herstellung von Büromöbeln. Acht Jahre danach stirbt Wilhelm Dichmann. Seine sieben Söhne, unter ihnen der langjährige Kelkheimer Stadtverordnete und Stadtverordnetenvorsteher Walter Dichmann, sind in der Firma beschäftigt. Der heutige Firmenname Vario Büroeinrichtungen GmbH & Co. KG, der seit 1972 besteht, hat seine Wurzeln im Jahre 1954. Damals wurde das Organisationsmöbel-Programm VARIO vorgestellt. Ein Brand und die sinkende Nachfrage nach Furnieren führen 1981 zur Schließung des Furnierwerks. Der Firmensitz wird 2003/2004 nach Liederbach verlegt. Das ehemalige VARIO-Areal wurde 2005 mit Wohnhäusern bebaut.

Dr.-Winfried-Stephan-Platz

Überquert man von der Stadtbibliothek aus die Frankenallee, erreicht man den Dr.-Winfried-Stephan-Platz, auf dem sich seit 1995 der Möbelbrunnen befindet. Die Nummerierung der Frankenallee setzt sich interessanterweise für diese Seitenstraße bis zu dem Platz fort. Eine Namensänderung und die damit verbundenen neuen Hausnummern ersparte man den dortigen Hausbewohnern. Diesem Teil der Frankenallee folgt die Höchster Straße. Der Namensgeber des Platzes ist der langjährige Kelkheimer Bürgermeister Dr. Winfried Stephan. Der 1935 in Hornau geborene und 2004 verstorbene Jurist hatte das Amt als Nachfolger des Nachkriegs-Bürgermeisters Wilhelm Stephan inne. Dieser war im Mai 1945 von der amerikanischen Militärverwaltung nach Polizeileutnant Edmund Rosenkranz, der das Amt im April 1945 bekleidete, als kommissarischer Bürgermeister eingesetzt, 1946 von der Stadtverordnetenversammlung zum ehrenamtlichen und 1947 zum hauptamtlichen Bürgermeister gewählt worden. Die Amtszeit seines Nachfolgers, Winfried Stephan, währte vom 1. Juli 1966 bis zum 31. Mai 1995. Nach den beiden juristischen Staatsprüfungen war Winfried Stephan zunächst Richter am Landgericht in Hanau und anschließend als Verwaltungsjurist im Rechtsamt der Kreisverwaltung des Main-Taunus-Kreises tätig. Im Jahr vor seiner Wahl zum Bürgermeister promovierte er an der Universität Frankfurt am Main. In seine Amtszeit fielen zahlreiche Aktivitäten, die das Stadtbild prägen. Ich nenne einige Beispiele: die Ausweisung neuer Baugebiete, die Sicherung der Wasser- und Abwasserversorgung, der Bau neuer Schulen und des Hallen-Freibades, 1971 die Gründung der Städtepartnerschaft mit  Saint-Fons bei Lyon und 1985 mit dem 50 km westlich von London gelegenen High Wycombe, der Bau des neuen Rathauses, des städtischen Bauhofes und des neuen Hauptfriedhofs; ferner der Erwerb der Stadthalle und des Rettershofes sowie der Beginn der Bauarbeiten in der neuen Stadtmitte, die ihm ein besonderes Anliegen war. Für seine Verdienste um Kelkheim und sein Engagement in übergeordneten kommunalpolitischen Gremien erhielt Winfried Stephan 2004 die höchste Auszeichnung, welche die Stadt zu vergeben hat: das Ehrenbürgerrecht.

(Thomas Berger)

Quellenverzeichnis:

(1)   Andreas Niegemann, Andreas Faust, ein verdienstvoller Fischbacher
Hauptlehrer, in: MTK-Jahrbuch 1999, Seiten127−132

(2)   Torsten Weigelt, Schüler gegen Turbo-Abi, in: Frankfurter Rundschau vom 30.11.2012

(3)   Christa Wittekind, Charlotte von Gagern, eine Dame im dörflichen Umfeld, in: MTK-Jahrbuch 2002, Seiten 99−104

(4)   Alois Henninger, Nassau in seinen Sagen, Geschichten und Liedern fremder und eigner Dichtung, Wiesbaden 1845, Seiten 158−160

(5)   Dietrich Kleipa, Der frühchristliche Roteldis-Stein in Fischbach, in: Kelkheim im Taunus. Beiträge zur Geschichte seiner Stadtteile, hrsg. v. Magistrat der Stadt Kelkheim, Kelkheim 1980, Seiten 20−26

(6)   Kopie und Übersetzung der Urkunde in: 1100 Jahre Kelkheim. Festschrift aus Anlass der 1100-Jahr-Feier der Stadt Kelkheim, hrsg. v. Magistrat der Stadt Kelkheim, Kelkheim 1974, Seiten 8−9

(7 )   Frank Weiner, Von der Moped-Schwester zum Dirigenten-Lehrer, in: Höchster Kreisblatt vom 20. Februar 2018, Jahrgang 169, Nr. 43, Seite 12

(8)   Heike Lattka, „Wir sitzen hier bei Wein und Bier“, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 15. März 2017, Nr. 63, Seite 46

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