Jüdische Zwangsarbeiter in Kelkheim

Kelkheims „Judenkolonne“

Im April 1939 trafen 20 Männer aus Frankfurt am Kelkheimer Bahnhof ein. Von dort aus wurden sie in das Gasthaus Taunusblick gebracht. Im Gasthaus wies man den Männern Räume als Unterkunft zu. Zudem erhielten sie Ihre Arbeitskleidung, um unmittelbar mit ihrem „Arbeitseinsatz“ zu beginnen. Dies ist einem Schreiben des damaligen Kelkheimer Bürgermeisters zu entnehmen. Die 20 Männer aus Frankfurt waren zuvor erwerbslos gemeldet. Sie waren Juden, die, in einer sogenannten „Arbeitskolonne“ zusammengefasst, Straßenbauarbeiten verrichten sollten.

Haus „Taunusblick“ um 1925, Foto: Stadtarchiv

Hintergrund dieser Maßnahme war eine Verfügung des Präsidenten der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung vom Dezember 1938. „Erwerbslose und wohlfahrtsunterstützte Juden“ sollten für den „geschlossenen Arbeitseinsatz“ herangezogen werden. Fortan war es den Arbeitsämtern möglich, arbeitslose Juden bei Privatunternehmen, Kommunalverwaltungen und öffentlichen Bauträgern unter Zwang zu beschäftigen. Damit sollte die Diskrepanz zwischen Arbeitskraftmangel einerseits und ca. 60.000 arbeitslosen Juden im Jahr 1938 andererseits aufgelöst werden. Ab 1933 kam es zu einer schrittweisen Verdrängung der Juden aus dem Arbeitsleben. Sie wurden zur Zeit des Nationalsozialismus in die Arbeitslosigkeit gedrängt.

Die Stadt Kelkheim gehörte zu den ersten Kommunen überhaupt, die diese „Vermittlung“ durch die Arbeitsämter in Anspruch nahm und eine „Arbeitskolonne“ für den Straßenbau Münster-Zeilsheim einsetzte.

Der Arbeitseinsatz war mit Demütigungen verbunden. So war es den Juden nicht erlaubt, bestimmte Areale zu betreten. Sozialleistung konnten von ihnen nicht in Anspruch genommen werden. Ebenso wenig Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.

In dem halben Jahr ihres „Arbeitseinsatzes“ stellten die insgesamt 40 jüdischen Männer den Weg nach Zeilsheim fertig.

Es ist nachgewiesen, dass die meisten von ihnen nach 1941 in den Vernichtungslagern ermordet worden sind.

Eine Gedenktafel als Erinnerungsort

Im April 2022 wurde die Gedenktafel für die jüdische „Arbeitskolonne“ an ihren neuen Standort Ecke Zeilsheimer Weg/Paul Ehrlich Straße versetzt. Der vorherige Platz der Gedenktafel am südlichen Ende der Zeilsheimer Straße erschien aufgrund seiner unmittelbaren Nähe zum angrenzenden Gewerbe als ungeeignet.

Alter Standort der Gedenktafel, Foto: Stadtarchiv

Der neue Standort sowie die mit Blumen geschmückte Einfriedung der Gedenktafel sorgen für eine größere Sichtbarkeit. Damit rückt ein Kelkheimer Erinnerungsort für die Opfer des nationalsozialistischen Unrechtsstaates wieder stärker in das Bewusstsein.

Neuer Standort, von links nach rechts: Erster Stadtrat Dirk Hofmann, Archivar Julian Wirth und Bürgermeister Albrecht Kündiger, Foto: Stadtarchiv

Der Text auf der Tafel lautet: „Dieser Ortsverbindungsweg zwischen Münster und Zeilsheim wurde im Jahre 1939 erstmals von zwangsverpflichteten Juden aus Frankfurt ausgebaut.“

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