Familienausflug von Kelkheim über den Taunus-Schinderhannessteig bis zum Kaisertempel hoch über Eppstein und zurück

Wenn du gerne über abenteuerliche Pfade und gewundene Wege wanderst, wenn du die Natur magst und Tiere entdecken möchtest, wenn du von tollen Ausblicken über Felsen ins Tal fasziniert bist, dann sollten du mit deiner Familie einmal einen Ausflug über den Weg „Taunus-Schinderhannessteig“ bis zum Kaisertempel hoch über Eppstein unternehmen. Vom Sportplatz Gundelhard aus brauchst du dafür, je nachdem wie schnell ihr vorankommt, für die einfache Strecke ungefähr zwei Stunden. Mein Tipp: Lieber langsamer gehen, um mehr zu entdecken und zu genießen. Wenn ihr euch nicht zu laut verhaltet, seht ihr vielleicht auch Rehe, Eichhörnchen und andere scheue Bewohner des Waldes. Und geschichtlich interessant ist diese Wanderung außerdem. Doch dazu erzähle ich dir gleich mehr.

Was ist der „Schinderhannessteig“ und wie findest du ihn?

Zunächst eine  Erklärung zur Wortbedeutung: Ein „Steig“ ist ein gewundener Weg, der manchmal schmaler, manchmal breiter über Stock und Stein, bergauf und bergab führt. Wer der Schinderhannes war, darüber kannst du dich auf dieser Seite in meinem Artikel „Der Räuber Schinderhannes informieren. Ob er diesen Weg tatsächlich einmal gegangen ist, darüber streiten die Historiker, also die Leute, die den Wahrheitsgehalt von geschichtlichen Ereignissen überprüfen. Aber abenteuerlich ist diese Wanderung allemal. Und man kann sich schon vorstellen, dass sich früher Räuber hier in den dunklen Wäldern des Taunus aufgehalten haben, um sich zu verstecken und um wohlhabende Menschen um ihr Hab und Gut zu bringen. Es war also früher lange nicht so ungefährlich in den Wäldern wie heutzutage.

Wie bereits berichtet, soll sich der berüchtigte Räuber Schinderhannes (1779 – 1803) auch in der Gaststätte am Gimbacher Hof aufgehalten haben. Ob das nun stimmt oder nicht, sei dahingestellt. Historiker bezweifeln dies eher. Gefährliche Räuber jedoch, hat es früher auf jeden Fall gegeben. Und die haben sich bestimmt auch in unseren Wäldern und am Gimbacher Hof herumgetrieben. Hier jedenfalls beginnt der Taunus-Schinderhannessteig, der fast 40 Kilometer lang vorbei am Sportplatz Gundelhard, der Waldgaststätte Gundelhard über Eppstein, Eppenhain, dem Atzelbergturm, Schlossborn, Glashütten bis zur Landsteiner Mühle im Weiltal und in den Hochtaunus führt. An einem Tag ist diese Strecke höchstens von geübten Mountainbikern zu bewältigen. Mein Ausflugstipp bis zum Kaisertempel und zurück erstreckt sich über ungefähr sieben Kilometer, je nachdem, welche Abzweigungen man wählt.

Natürlich kannst du die gesamte Strecke über den Schinderhannessteig wandern. Ich schlage dir jedoch eine Abkürzung vor. Beginnend am Sportplatz Gundelhard (dort gibt es viele Parkplätze), läufst du am ehemaligen Forsthaus Kelkheim vorbei und danach gleich rechts den Amtsbotenweg hinauf. (Was ein „Amtsbote“ war, erkläre ich dir im folgenden Kapitel.) Dann immer geradeaus bergauf, bis du nach ungefähr eineinhalb Kilometern links in einen Waldweg abbiegst. Diesen folgend triffst du nach einiger Zeit wieder auf den Taunus-Schinderhannessteig.

Dass es hier früher manchmal gefährlich war, darüber berichte ich dir, wenn du weiterliest.

Überfall am Sauer-Kreuz am Wegrand?

Früher war es in Wäldern nicht so ungefährlich wie heute. So hat es zum Beispiel viele Überfälle von Räubern gegeben. Dabei sind diese nicht selten zimperlich vorgegangen. Von einem angeblichen  Raubüberfall durch den Schinderhannes erzählt man sich auch über das sogenannte Sauer-Kreuz. Du findest es, wenn du der bisherigen Wegbeschreibung folgst.

Nach ungefähr einem weiteren halben Kilometer kommt bergab eine scharfe Linkskurve, an der sich rechts ein Kreuz mit einer etwas verwitterten Inschrifttafel befindet. Kannst du den Text entziffern? Kannst du ausrechnen, wieviele Jahre das Kreuz nun schon steht?

Laut des Kelkheimer Stadtarchivars Herrn Dietrich Kleipa handelt es sich hier um ein Weg- und Andachtskreuz, das nach 1945 in Beton gegossen wurde.

Was tatsächlich an dieser Stelle passiert sein soll, weiß man heute nicht mehr genau. Es wird berichtet, dass hier einst der Amtsbote Johann Sauer unterwegs war.

Die Aufgabe eines sogenannten „Amtsboten“ war es, wichtige, manchmal geheime Botschaften von einem Amt zum anderen zu überbringen. Ein Amtsbote war also so etwas wie ein heutiger Postbote innerhalb verschiedener Ämter. Eine Post wie heute oder gar E-Mail-Verkehr gab es ja früher noch nicht.

Der Auftrag des Amtsboten Sauer soll es gewesen sein, einen Steckbrief – ausgerechnet vom Räuber Schinderhannes – vom Kurmainzer Oberamt in Höchst zum Bürgermeister nach Eppstein zu überbringen. An der Stelle des heutigen Kreuzes soll Johann Sauer sich ausgeruht haben, als er vom Schinderhannes persönlich überfallen worden und dabei schwer verletzt worden sei. Als Dank dafür, dass er sich von diesem Überfall wieder erholt habe, sollen er oder seine Angehörigen später dieses Kreuz errichtet haben.

Wie schon erwähnt, ob das wirklich genau so war, weiß man heute nicht mehr. Vielleicht hat der Herr Sauer das Kreuz ja auch aufstellen lassen, weil er für eine andere Sache dankbar war oder weil er einfach nur sehr gläubig war. Die Menschen haben sich schon immer gern spannende oder gruselige Geschichten ausgedacht und erzählt. Das kennst du ja von Märchen, Sagen und Legenden.

(Kurzer Einschub: Kennst du den Unterschied zwischen Märchen, Sagen und Legenden?
Ganz kurz erklärt, geht es bei einer Sage um eine Geschichte, die – im Gegensatz zum Märchen – einen überprüfbaren Wahrheitsgehalt hat. Eine Legende ist, ebenfalls wie eine Sage, eine Geschichte mit einem wahren Kern, jedoch mit einem religiösen Inhalt. Die Hauptperson der Legende ist  eine sogenannte heilige Person.

Naja, ein Heiliger war der Schinderhannes sicher nicht! Eher ein gefährlicher und gemeiner Räuber, Verbrecher und sogar Mörder. Wie also würdest du diese Geschichte über ihn bezeichnen?

Richtig! Es handelt sich hierbei um eine Sage, eine Geschichte mit einem wahren Kern. Denn den Schinderhannes, mit richtigem Namen Johannes Bückler, gab es wirklich. Viele Geschichten über ihn wurden jedoch dazu erfunden.)

Ankunft am Kaisertempel

Wenn du nun dem Weg weiter folgst, kommst du nach ungefähr einem weiteren Kilometer an einem Felsen vorbei und gelangst schließlich auf eine schöne Aussichtsplattform. Von hier aus hast du einen tollen Blick hinunter auf die Stadt Eppstein. Dort findest du neben Bänken zum Ausruhen auch zwei Denkmale für den berühmten Komponisten und Pianisten Felix Mendelssohn Bartholdy. Er lebte von 1809 bis 1847 und war mehrmals in Eppstein zu Besuch. Dort hat er in der Talkirche auf der Orgel gespielt. Vielleicht ist er ja tatsächlich auch auf diesen Felsen gewandert und hat, wie du, die schöne Aussicht genossen. Wer weiß!

Was meinst du, hätte er dem Schinderhannes begeben können? Schau mal nach, wann beide gelebt haben!

Nun sind es nur noch wenige Meter bis zum sogenannten Kaisertempel. Warum der so heißt und wie lange er schon hier steht, das kannst du an den dortigen Informationstafeln nachlesen oder dir von deinen Eltern oder Großeltern erzählen lassen, denn das ist eine andere Geschichte. Neben diesem Tempel gibt es ein schönes Ausflugslokal. Dort kann man einkehren und sich stärken, bevor man sich wieder auf den Rückweg nach Kelkheim macht über die vielen möglichen Waldwege.

 

Ich wünsche dir auf diesem abenteuerlichen Rundweg viel Spaß!

 

Du solltest diesen Weg jedoch nicht alleine gehen, weil es doch sehr weit von Kelkheim entfernt ist! Zu spät am Tag sollte man auch nicht losgehen, weil man sonst bei Dunkelheit zurück muss. Eine Straßenbeleuchtung im Wald gibt es nämlich wie damals auch nicht und es besteht die Gefahr, sich zu verlaufen! Der Schinderhannes lebt zwar zum Glück nicht mehr, aber nachts einem Wildschwein zu begegnen, ist bestimmt auch nicht ungefährlich.

Vielleicht wird diese Strecke in deiner Familie ja zu einem nächsten gemeinsamen Ausflug?

Gerne kannst du mir schreiben, was du auf dieser Wanderung erlebt oder gesehen hast. Meine E-Mail-Adresse lautet: autorin@birgit-groeger.de

(Birgit Gröger – Text und Bilder)

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